Im Rahmen des VDI-Expertenforums "Reinheit von Luftleitungen wurden folgende Fragestellungen diskutiert:

  • Wie sauber müssen Luftleitungen sein, um einen hygienegerechten Betrieb der RLT-Anlage sicherzustellen?
  • Wie kann die Sauberkeit festgestellt/gemessen werden?
  • Wie können die Ergebnisse unterschiedlicher Messverfahren verglichen werden?
  • In welchen Zustand können die Luftleitungen vom Hersteller ausgeliefert werden
  • Welcher Zustand kann im Rahmen einer Hygieneinspektion als kritisch bewertet werden?
  • Welche Reinheitsqualitäten können in den gängigen Reinigungsverfahren erreicht werden?

Dr.-Ing Achim Keune VDI, zeigte in seiner Begrüßung die Historie der Lufthygiene, beginnend mit der Studie von Dr. Kröling, aus den 1980er Jahren auf und erläuterte die Schritte der VDI 6022 in den Ausgaben von 1998, 2006 und 2011. In seinem Fachbeitrag stellte Dr. Keune die aktuellen Anforderungen der VDI 6022 vor:

  • Zunächst optische Kontrolle
  • Bei Messung der Staubflächendichte ist eine dreifache Bestimmung erforderlich

Die Werte liegen häufig im Bereich zwischen 5 – 10 g/m², so Dr. Keune weiter. Ein Problem sieht Keune in der fehlenden Reproduzierbarkeit der Messergebnisse und so rät der „Vater der VDI 6022“ die RLT-Anlage besenrein zu übergeben und eine gute Filterung vorzusehen damit eine Reinigung nicht erforderlich wird. Wichtig hier der Hinweis, dass die VDI 6022 grundsätzlich auch für Wohnungslüftung gilt.

Dipl.-Ing. Jürgen Luft VDI stellte in seinem Beitrag die DIN EN 15780 vor. Der Anwendungsbereich dieser Norm erstreckt sich über alle Lüftungsanlagen mit Ausnahme der Anlagen in Industriegebäuden und gilt damit auch für die Wohnungslüftung. Der Fokus der Norm liegt auf den Luftleitungen und es werden Sauberkeitsklassen definiert. Ein wesentliches Problem stellt der Grenzwert von 3 g/m² mit dem dort gewählten Verfahren gegenüber den 9 g/m2  (mit Original JADCA mit Lösungsmittel gemessen)  in der VDI 6022 dar, außerdem lässt die Norm beim Neubau von RLT-Anlagen die Klasse „niedrig“ eine Klasse zu, die in der VDI 6022 bereits gestrichen wurde.

Prof. Dr.-Ing. Birgit Müller VDI von der HTW-Berlin stellt das Projekt „AIRLESS“ vor, in dessen Rahmen sie in der Zeit von 1998 bis 2000 die Untersuchungen gemacht hat, aus denen auch die Tabelle 10 der aktuellen VDI 6022 abgeleitet wurde. Die Tabelle ist auch heute noch geeignet, die verschiedenen Messverfahren miteinander zu vergleichen, siehe Abheberate in der Tabelle der VDI 6022. Eine wissenschaftliche Bewertung der Abheberate des in der  EN 15780 bevorzugte Verfahren ist nicht Gegenstand der VDI 6022 nicht bekannt.

Dr.-Ing. Andreas Winkens VDI berichtet aus der Praxis der Hygieneinspektionen nach VDI 6022. Aus seiner Erfahrung kommt es bei 8 – 10% der Inspektionen zu der Fragestellung, ob die Luftleitungen besenrein sind. In 20% dieser Fälle wurden dann zur Klärung der Sachlage Messungen durchgeführt. Einen direkten Zusammenhang zwischen der Staubflächendichte und der mikrobiologischen Beurteilung (KBE/25cm²) gibt es nach Ansicht des Hygieneexperten nicht, beide Untersuchungen sind getrennt voneinander zu betrachten. In den meisten Fällen, so Winkens, ist eine optische Inspektion
von Luftleitungen hinsichtlich Sauberkeit  völlig ausreichend.

Dipl.-Ing. Ralf Heidenreich VDI vom Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden berichtete über Alternativen zur gravimetrischen Messung von Staub. Mit Hilfe von Streulichtmessungen mit LED  oder zur Überwachung von langen Luftleitungen auch mit akustischen Methoden der Schallabsorptionsmessung ist ein Monitoring der Luftleitungen über die gesamte Lebensdauer möglich, diese Auswertungen könnten an die Gebäudeautomation angeschlossen werden.

Dipl.-Ing. Diethard Niehoff VDI berichtete  als Vertreter eines großen Herstellers von Luftleitungen über werksinterne Messungen mit einem Wischtest, nachdem ein Wert von <1g/m²  für neue Luftleitungen sicher erreichbar ist. Der in EN 15780 geforderte Wert von 0,3 g/m² erscheint nicht erreichbar und messtechnisch als nicht erfassbar. Er wies auch nach, dass für eine Staubflächendichtemessung eine Schulung am Messverfahren notwendig ist.

Harry Tischhauser VDI, der über Praxisberichte der Reinigung bezeichnet berichtete, sprach sich gegen eine Reinigung von Zuluftleitungen aus. Aus seiner Sicht sind Abluft-, Umluft- und Fortluftkanäle als ausreichend gut reinigbar, Zuluftkanaäle dagegen nicht. Zuluftkanäle sollen deshalb unbedingt sauber montiert und durch gut ausgewählte und gewartete Filter geschützt werden.

In der anschließenden Diskussion beantworteten alle Vortragenden Fragen der Teilnehmer, die insbesondere folgende Thesen unterstützten:

  • Staubflächendichtemessung und Abklatschproben sind getrennte Untersuchungen, die dem Fachkundigen eine Orientierung über den Zustand der Anlage geben.
  • Luftleitungen sollen sauber eingebaut und durch einen Filter, mindestens der Klasse F7, besser F9  dauerhaft geschützt werden.
  • Eine Klassifizierung von Luftleitungen für den Einsatz in unterschiedlichen Luftarten (Abluft, Zuluft, Umluft) ist praktischer Unsinn, da in der Praxis auf der Baustelle nicht durchzuhalten. Es muss sicher ausgeschlossen werden, dass Luftleitungen mit einer Eignung für Abluft als Zuluftleitung verwendet werden.
  • Eine Einstufung des bevorzugten Messverfahrens für die Staubflächendichte nach DIN EN 15780 in die Tabelle 10 der VDI 6022 ist zwecks Vergleichbarkeit anzustreben. Es sollen immer mehrere Messverfahren wählbar sein.
  • Es sollen Änderungsvorschlage für die VDI 6022 und die DIN EN 15780 formuliert und den Ausschüssen beim DIN und beim VDI zur Verfügung gestellt werden.

Dr. Achim Keune dankte allen Teilnehmern für die Diskussion und sprach eine Einladung zur Mitarbeit an entsprechenden Arbeitsgruppen im VDI aus. Ein erstes Treffen dazu soll Ende Mai 2013 stattfinden.

Ansprechpartner im VDI:     
Dipl.-Ing. Thomas Terhorst
Telefon: +49 211 6214-466
E-Mail: tga@vdi.de